Sepp Innerkofler

 von Obm. Hannes Federer

innerkofler
Wer war Sepp Innerkofler ?

Der bekannte Bergsteiger und Standschütz Sepp Innerkofler erblickte am 28.Oktober 1865 auf dem Unteradamerhof im schönen Südtiroler Dorf Sexten das Licht der Welt. Sein Vater war ein biederer Bauer, die Mutter die Dorfhebamme, welche man sehr schätzte. Schon in der Jugendzeit erwachte im Sepp die angeborene Leidenschaft zur Jagd. In ihrer Ausübung hatte er immer wieder Gelegenheit, im Fels das Klettern zu üben, wenn er den Gemsen nachstieg. Aber bald packte Ihn der Ehrgeiz, es den Alpinisten und Bergführern gleichzutun und die hohen Gipfel seiner Heimat zu bezwingen.

Von Beruf war er Sagmeister, dann Pächter der „ Drei Zinnenhütte", schließlich wurde er später Besitzer des Hotels „Dolomitenhof" im Fischleintal bei Sexten. Er war auch zur gleichen Zeit ein Bergführer größten Formates und wurde deshalb auch von den bedeutendsten Bergsteigern verschiedener Länder als Begleiter gewählt. An die sechzig Erstbesteigungen gelangen ihm, darunter auch die als damals unbezwingbar angesehene Nordwand der „Kleinen Zinne". Sepp Innerkolfler wurde deshalb zum bekanntesten Dolomitenführer seiner Zeit.

Als dann der 1.Weltkrieg ausbrach und seine geliebte Heimat vom Feind bedroht war, stellte er sich bedingungslos dem „letzten Aufgebot" der Tiroler Standschützen zur Verfügung. Mit seiner legendären „Fliegenden Patrouille", deren Anführer er war, bekam er für die im Mai und Juni 1915 erfolgreich durchgeführten Patrouillengänge die Kleine sowohl auch die große Silberne Tapferkeitsmedaille.Er wurde auch aus diesem Grunde vom Zugsführer zum Oberjäger befördert. Er hielt sich zu diesem Zwecke hauptsächlich auf den Sextener Berggipfeln auf und störte den Feind in seinen Handlungen, um den Anschein zu erwecken, daß alle diese Berge fest in der Hand der Tiroler seien. Wiederholt machte Innerkofler seine Vorgesetzten auf die Wichtigkeit des Paternkofels als Verteidigungspunkt aufmerksam und hat auch des öfteren zur Besetzung des Gipfels geraten, solange dieser noch unbesetzt war.

Als es dann zu spät war und die Italiener sich auf dem Berg bereits festgesetzt hatten, bekam Sepp Innerkofler den Auftrag, den Paternkofel wieder zurück zu erobern. Obwohl er von der Aussichtslosigkeit eines solchen Unternehmens überzeugt war, übernahm er aus patriotischen Gründen trotzdem die Führung. Im Morgengrauen des 4.Juli 1915 kletterte Innerkofler mit einer fünf Mann starken, bergerfahrenen Gruppe unter dem Feuerschutz der Maschinengewehre dem Gipfel zu. Als Sepp schon dem höchsten Punkt nahe war, warf er mehrere Handgranaten, von denen nur eine einzige explodierte. Der hinter einer Steinmauer in Deckung liegende Feind begann sofort Steinblöcke den Angreifern entgegen zuschleudern. Die kleine Gruppe wurde auch unter Beschuß genommen. Sepp von einer Kugel getroffen, stürzte rücklings in den sogenannten „Opelkamin" hinunter und blieb auf einem Felsvorsprung hängen. Nachdem der Anführer gefallen war, zogen sich die übrigen Kameraden zurück, um ein weiteres sinnloses Blutvergießen zu vermeiden.

Später bargen die Alpini den Leichnam und bestatteten ihn auf dem Gipfel des Paternkofel`s. Nachdem sich dann später die Italiener von der Dolomitenfront zurückgezogen hatten, wurden die sterblichen Überreste des heldenhaften Soldaten im August 1918 ins Tal gebracht und im Friedhof von Sexten beigesetzt.

Der Kaiser verlieh dem Gefallen nach seinem Tode noch die „Goldene Tapferkeitsmedaille". Sepp Innerkofler war der erste Standschütz, dem diese hohe Auszeichnung verliehen wurde.

Zu beachten ist, daß im Mai 1915, 24.000 Standschützen gegen die italienische Front mobil gemacht wurden, um unser Land Tirol zu verteidigen. Diese 24.000 Standschützen haben den großen Ansturm mit den kleinen Reserven die noch im Land waren, den Elite Truppen der Italiener standgehalten, bis nach und nach Verstärkung eingetroffen war.

Sepp Innerkofler war zu seiner Zeit der berühmteste und bekannteste Berg- und Patrouillenführer der Tiroler Standschützenkompanien und ist wie schon beschrieben im Alter von 50 Jahren beim Versuch der Erstürmung des von den „Drei Zinnen" durch den Paternsattel getrennten, steil aufragenden Paternkofel gefallen. Wir werden ihm ein ewiges ,kameradschaftliches und treues Gedenken beibehalten.